{"id":933,"date":"2021-05-22T17:26:35","date_gmt":"2021-05-22T15:26:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ifz-international.de\/?page_id=933"},"modified":"2021-05-23T14:09:26","modified_gmt":"2021-05-23T12:09:26","slug":"martin-martin-schlesinger-science-fashion","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ifz-international.de\/?page_id=933","title":{"rendered":"Martin Martin Schlesinger: Science Fashion"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.ifz-international.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/cover_sciencefashion.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-878\" srcset=\"https:\/\/www.ifz-international.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/cover_sciencefashion.jpg 800w, https:\/\/www.ifz-international.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/cover_sciencefashion-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.ifz-international.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/cover_sciencefashion-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.ifz-international.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/cover_sciencefashion-768x768.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><span style=\"color:#ffffff\" class=\"has-inline-color\">\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>\u201cUnter den Talaren \u2013 Muff von 1000 Jahren.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cKarohemd und Samenstau, ich studier Maschinenbau.\u201d<br><em>Studentenspr\u00fcche<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"color:#ffffff\" class=\"has-inline-color\">\u2026\u2026\u2026<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Mit der Neugr\u00fcndung vieler Universit\u00e4ten ab den 1960er Jahren, ver\u00e4nderten sich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur vor allem geisteswissenschaftliche Studienm\u00f6glichkeiten, sondern zugleich musste das Unternehmen Hochschule auch aus gestalterischer und \u00e4sthetischer Sicht neu gedachten werden. Dies zeigte sich vielerorts zum einen in einer damals modernen, wissensbeg\u00fcnstigenden Bildungs-Architektur (siehe z.B. die Ruhr-Universit\u00e4t Bochum), zunehmend aber auch in der Art und Weise, wie sich von nun an die Lehrk\u00f6rper zugleich modisch wie theoretisch <em>up to date<\/em> einkleideten.<br><br>Nicht nur die Studentenbewegung der 1968er, auch Professoren und Forscher begannen zu erkennen, dass universit\u00e4re Roben, wie beispielsweise der Talar, zwar hierarchische Systeme uniformieren k\u00f6nnen, dabei jedoch wenig f\u00f6rderliche Auswirkungen auf das Theoriedesign hatten, sondern ganz im Gegenteil konzeptuell eher hinderlich waren. Die W\u00e4sche der Wissenschaft wurde neu gedacht. Nicht von ungef\u00e4hr begannen sich in dieser Zeit selbst kritische Theoretiker wie die Denker der Frankfurter Schule f\u00fcr die Mode der Massenkultur zu interessieren, waren sie doch in einer neuartigen Phase der Selbstreflexion best\u00e4ndig auch mit dem <em>impact<\/em> besch\u00e4ftigt, den die eigenen Klamotten auf ihre Hypothesen und Argumente hatten.<br><br>Schlie\u00dflich waren es jedoch vor allem zeitgenossenschaftliche Wissenschaftler um die D\u00fcsseldorfer Max Schemmler-Schule, die bemerkten, dass Stoffe und Schnitte auch einen direkten Einfluss auf gedachte und zu Papier gebrachte Konzeptkorsette hatten. Von nun an galt: wie man sich kleidet, so denkt man \u2013 und so stellte der britische Soziologe, Zeitgenosse und Bowler-Tr\u00e4ger Trevor Ellen 1969 in seinem Buch <em>Undressed Thinking <\/em>fest: \u201cThe suit suits my mind. My shoes make me think.\u201d Der von ihm ausgerufenen <em>fashion turn <\/em>und der gleichzeitige Versuch einen \u2018New Tailorism\u2019 an den Universit\u00e4ten und Instituten einzuf\u00fchren, schaffte es vermutlich allein aufgrund akademischer Eitelkeiten nicht, gr\u00f6\u00dfere wissenschaftliche Kreise zu ziehen.<br><br>Mit <em>Science Fashion<\/em> zeichnet eine Publikation erstmalig die gegenseitige Beeinflussung von Mode und Wissenschaft im Detail und mit scharfer Nadel nach. Dabei geht es zum einen darum aufzuzeigen, wie Kleidung \u2013 von den Socken bis zur Motivkrawatte \u2013 ganze Schulen und Denkrichtungen pr\u00e4gte, modisch werden lie\u00df und Konzepte unterschiedlicher Konfektionsgr\u00f6\u00dfen, von den sogenannten Pret-\u00e0-Porter-Theorien bis zur Haute Couture-Forschung fachgerecht ausstaffierte. Zum anderen wird r\u00fcckwirkend wiederum der Einfluss dieser Denkans\u00e4tze auf die Modewelt nachgezeichnet, die ab den 1970er Jahren die \u201ctheoretische Tracht\u201d (Prof. Anna Wintour) nicht nur in den H\u00f6rs\u00e4len, sondern auch auf den Laufstegen der internationalen Schauen <em>en vogue<\/em> machten.<br><br>Mit einer der derzeit wichtigsten, sch\u00f6nsten und zudem wenig \u00fcberraschenden Thesen des Buches kann knapp behauptet werden:<br><br>Wer sich gut anzieht, der denkt gut!<br><br>Abschlie\u00dfend werden in einem umfangreich bebilderten Appendix die missgl\u00fccktesten Winter- und erfolglosesten Sommerkollektionen der <em>Science Fashion<\/em> seit den 1990er Jahren, und in einem stets aktuellen Verzeichnis die immer noch wichtigsten Fakult\u00e4ts-Schneidereien der Geisteswissenschaften vorgestellt und ihre modische wie theoretische Relevanz verortet.<br><br>Im Erscheinen 2022.<br><br><em>Der Autor wird im Einklang mit dem sich im Erscheinen befindenden Werk von unterschiedlichen Marken ausgestattet. Derzeit: Sewing &amp; Theory, London.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026 \u201cUnter den Talaren \u2013 Muff von 1000 Jahren.\u201d \u201cKarohemd und Samenstau, ich studier Maschinenbau.\u201dStudentenspr\u00fcche \u2026\u2026\u2026 Mit der Neugr\u00fcndung vieler Universit\u00e4ten ab den 1960er Jahren, ver\u00e4nderten sich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur vor allem geisteswissenschaftliche Studienm\u00f6glichkeiten, sondern zugleich musste das Unternehmen Hochschule auch aus gestalterischer und \u00e4sthetischer Sicht neu gedachten werden. 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